Wie der Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche zu einer Berliner Weihnachtsikone wurde
Berlin hat über 80 Weihnachtsmärkte. Die meisten verschwimmen miteinander – dieselben Holzstände, dieselben dampfenden Becher, dieselben gebrannten Mandeln. Doch ein Bild sticht heraus: ein zerbrochener Turm, von Bomben geschwärzt, eingehüllt in goldenes Licht.
Der Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche ist nicht der älteste. Er ist nicht der schickste. Aber er ist vielleicht der berlinischste – ein Ort, an dem Geschichte sich weigert, vergessen zu werden, selbst umgeben von Glühwein und Lebkuchen.

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Die Geschichte hinter dem Hohlen Zahn
Die ursprüngliche Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche war ein Ausdruck imperialer Ambition.
Zwischen 1891 und 1895 erbaut, wurde sie von Kaiser Wilhelm II. in Auftrag gegeben, um seinen Großvater zu ehren. Der Architekt lieferte neoromanische Pracht: fünf Türme, kunstvolle Mosaike, ein 113 Meter hoher Turm, der in den Himmel ragte.
Dann kam der 22. November 1943.
Über 700 RAF-Bomber warfen 2.500 Tonnen Sprengstoff über der Stadt ab. Zehn Kirchen stürzten ein. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche brannte. Bis zum Morgen blieb nur der zerbrochene Westturm stehen, 68 Meter hohler Stein, der sich gegen den Rauch erhob.
Die Berliner gaben ihm einen Spitznamen: Der hohle Zahn.
1957 schlug der Architekt Egon Eiermann vor, die Ruine vollständig abzureißen. Die Öffentlichkeit rebellierte. Die Berliner hatten zugesehen, wie ihre Stadt Stück für Stück verschwand. Nicht dieses Mal. Der Turm blieb.
Eiermann passte sich an. Die neue Kirche, im Dezember 1961 geweiht, umschließt die Ruine mit blau getöntem Glas – über 21.000 Buntglasscheiben, die leuchten wie etwas zwischen Kapelle und Laterne. Am selben Tag geweiht wie die Kathedrale von Coventry in England. Beide bombardiert. Beide wieder aufgebaut. Beide entschieden sich fürs Erinnern.

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Breitscheidplatz: Das Herz von West-Berlin
Als die Mauer 1961 errichtet wurde, teilte sich Berlin in zwei Hälften. Ost-Berlin hatte den Alexanderplatz. West-Berlin brauchte eine Antwort.
Der Breitscheidplatz wurde diese Antwort.
Der Platz liegt an der Kreuzung von Kurfürstendamm und Tauentzienstraße – den Lebensadern des westberlinerischen Geschäftslebens.
1965 eröffnete hier das Europa-Center, gekrönt von einem rotierenden Mercedes-Stern. Darum herum: das legendäre KaDeWe, der Berliner Zoo, Boutiquen und Cafés. Hierhin kamen die West-Berliner, um zu zeigen, dass ihre Stadthälfte sehr wohl lebendig war.
Die Gedächtniskirche stand im Zentrum. Ein Kriegsdenkmal umgeben von Kommerz. Eine Erinnerung an Zerstörung mitten im Wiederaufbau.
Diese Spannung ist nie verschwunden. Sie macht den Weihnachtsmarkt anders als alle anderen.

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Die visuelle Identität, die die Welt eroberte
Jeden Winter jagen Fotografen demselben Motiv hinterher.
Die gezackte Silhouette des Hohlen Zahns unter einem Baldachin aus goldenem Licht. Holzbuden, die sich am Fuß einer Ruine drängen, Dampf, der aus Bechern mit Feuerzangenbowle aufsteigt. Der Kontrast zwischen bombenvernetztem Stein und dem sanften Leuchten eines 20 Meter hohen Weihnachtsbaums.
Es sollte nicht funktionieren, und doch funktioniert es.
Der Markt spannt einen 400 Meter langen Lichterteppich über die Köpfe – Tausende Glühbirnen, angeordnet wie ein Sternenhimmel. Fünfzig leuchtende Inseln aus Weihnachtskugeln. Ein zweiter Baum, der vor Swarovski-Kristallen überquillt.
Hinter dem Markt erstreckt sich der Kurfürstendamm, Europas längste illuminierte Weihnachtsstraße: 4,5 Kilometer Lichter, die sich durch fast 600 Bäume ziehen. Laufe zuerst über den Markt, dann treibe weiter hinein in diesen Fluss aus Licht.
Diese Bilder sind um die Welt gegangen. Sie sind zur Winterpostkarte Berlins geworden: kein Palast, keine Kathedrale, sondern eine zerbrochene Kirche und ein Weihnachtsmarkt.
Erinnerung, Verlust und der Goldene Riss
Am 19. Dezember 2016 fuhr ein Lkw in die Menschenmenge des Marktes.
Zwölf Menschen starben an diesem Abend. Eine dreizehnte Person starb Jahre später an den Verletzungen. Fast 70 wurden verletzt.
Ein Jahr später erschien ein Denkmal. Eine 17 Meter lange Linie aus Goldbronze zieht sich durch den Boden vor der Kirche. Die Namen der Opfer sind in die Stufen eingraviert. Man nennt ihn den Goldenen Riss. Die Gestaltungsphilosophie: Wunden sichtbar, aber geheilt.
Der Markt kehrte zurück. Jedes Jahr seitdem. Heute umringen Poller das Gelände. Aber die Stände öffnen. Die Lichter leuchten. Der Glühwein fließt.
Ein Teil der Glühweinverkäufe geht an den Wärmebus – eine Initiative des Roten Kreuzes, die obdachlosen Berlinerinnen und Berlinern hilft, den Winter zu überstehen. Selbst die Feier dient hier anderen.
Das Weihnachtsmarkterlebnis heute
Der Markt läuft vom 24. November 2025 bis zum 4. Januar 2026 – eine der längsten Saisons in Berlin. Anders als am Gendarmenmarkt gibt es keinen Eintritt. Anders als am Alexanderplatz gibt es keine überwältigende Rummelplatzstimmung.
Was dich erwartet: 100 bis 170 Stände mit handgefertigten Waren, funkelnden Glasornamenten und Essen, das dich stundenlang warm hält – Bratwurst vom offenen Grill, Kartoffelpuffer mit Apfelmus und der Duft von Zimt in der kalten Luft. Kinder drehen sich auf einem sanften Karussell, während Eltern für Feuerzangenbowle anstehen.
Der Markt öffnet am Weihnachtstag und bleibt über Silvester hinaus geöffnet, was in Berlin selten vorkommt.
Es gibt keinen Palasthintergrund wie in Charlottenburg. Keine Gourmetzelte wie am Gendarmenmarkt. Dieser Markt konkurriert nicht mit Spektakel. Er gewinnt durch Bedeutung.
UGREEN auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche
Die Gedächtniskirche war schon immer ein Ort, der Gegensätze zusammenhält. Kaiserliche Pracht und Kriegszerstörung. Erinnerung und Erneuerung. Der alte Turm und die neue blaue Kirche.
Dieses Jahr fängt ein Stand genau diese Energie ein.
Die weihnachtliche UGREEN Mystery Box bringt die Spannung der Technikwelt in die Holzbuden. Jede Box enthält Überraschungen – mit Preisen von Apple-Geräten und Lego-Sets bis hin zu Spielkonsolen und hochwertigem Ladezubehör.
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Nicht der Beste. Der Berlinischste.
Der Gendarmenmarkt ist vielleicht eleganter. Schloss Charlottenburg romantischer. Alexanderplatz größer, lauter, lebhafter.
Aber der Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche ist derjenige, der sich am meisten wie Berlin anfühlt.
Ein Ort, der die Vergangenheit ehrt, ohne von ihr gefangen zu sein. Ein Ort, an dem Narben zu Denkmälern werden und Feierlichkeit hart erkämpft wirkt. Ein Ort, an dem ein zerbrochener Turm, eingehüllt in goldenes Licht, plötzlich vollkommen logisch erscheint.
Der Geruch von Holzrauch und Zimt. Das Leuchten tausender Lichterketten. Die gezackte Silhouette, die sich gegen den winterlichen Himmel erhebt.
Das ist das Bild, das du mit nach Hause nehmen wirst.

